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Teflon-Style

"Abmahnungen und Anwaltsschreiben sind der neue heiße Scheiß im Deutschrap-Business", bringt es die Rap Schau auf den Punkt. Mal sehen, wie lange wir es uns noch leisten können, uns diese Gängeleien gepflegt am Arsch vorbeiziehen zu lassen. Noch geht das, nicht zuletzt dank der Gelassenheit unseres Vorstands, den ich an dieser Stelle - yüah und danke dafür! - ausnahmsweise einmal öffentlich lobpreisen will. Die Seelenruhe, mit der der juristische Einschüchterungsversuche an sich abperlen lässt: Teflon-Style.

Mir ist aber bewusst, dass nicht alle Kollegen eine solche Steinmauer im Rücken haben. Viele andere Magazine und Blogs können es sich schlicht nicht leisten, Arbeitskraft, Zeit, Nerven und vor allem Geld in irgendwelche Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang zu investieren. Deswegen durchaus verständlich, dass viele das Risiko umschiffen, indem sie - möglicherweise voreilig - Artikel offline nehmen. Was das für kritischen Journalismus bedeutet, muss ich vermutlich nicht extra ausführen.

Im Grunde muss ich zu diesem Thema gar nichts mehr ausführen. Skinny hat das in seiner Abrechnung nämlich alles schon wunderbar getan: "Deutschrap erinnert 2019 immer mehr an eine Kleingartenkolonie", attestiert er der Szene da "ein ganz neues Level der Spießbürgerlichkeit".

"2019 hetzen Rapper einem keine Schläger mehr auf den Hals. Persönlich kommen sie sowieso nicht vorbei, um einem für einen frechen Artikel ein paar Schellen zu verpassen, nein. Neuerdings schicken sie ihre Anwälte vor, die mit Abmahnungen, Unterlassungserklärungen und Schadensersatzforderungen bewaffnet Angst und Schrecken unter Journalisten und Bloggern verbreiten. Wenn ich dünner Journalistenstreber von einem Rapper beleidigt werde, schicke ich ihm nicht direkt einen Anwalt. Wenn aber ein großer, starker Gangsterrapper einen Artikel lesen muss, der ihm nicht gefällt, heißt es ganz schnell: Anzeige ist raus. Was für eine peinliche Scheiße."

Ich weiß gar nicht, welchen Absatz ich mit einem dickeren WORD! unterschreiben will, deswegen lest mal bitte schön den ganzen Text, so lange die namentlich genannten Bushido, Bonez MC, Gzuz, Kollegah und Jigzaw noch nicht ihre Kanzleien in Marsch gesetzt haben, um ihn wieder aus dem Netz zu kratzen.

"Außer Ex-Jura-Student Kollegah und Hochseeangler Bushido pocht jeder dieser Gangster-Verschnitte unbeirrt auf seine Realness, macht die eigene Authentizität quasi zum Geschäftsmodell. Außer im Internet schreibt jemand was. Dann wird der Pitti angeleint, das Messer zurück in die Socke gesteckt und per Kurzwahltaste #2 – auf #1 liegt natürlich Mama, sie ist die beste – der Anwalt angerufen. Ganz großes Kino, ihr Gees."

"Versteht mich nicht falsch: Anwaltsschreiben sind mir lieber als Messer am Hals, erst recht wenn sie vorher in stinkenden Sportsocken steckten. Wenn die Alternative ist, dass ein Haufen wütender Schläger vor der Redaktion steht, dann nehme ich die nunmehr wöchentlich eintrudelnden Abmahnungen und Unterlassungserklärungen gerne in Kauf. Allerdings wäre es auch eine Option, derartige Berichterstattung einfach zu ertragen wie der nonchalante OG, der man so gerne wäre."

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Adressaten dieser (mit allem Recht der Welt) genervten Tirade sich Skinnys wahre Worte zu Herzen nehmen, tendiert halt leider gegen Null. Hätte auch nur einer dieser "Ehrenmänner" einen Funken Ehre im Leib, sie müssten sich doch schon vorher in Grund und Boden geschämt haben, wenn sie ihren Anwälten vorheulen, wie garstig die bösen Journalisten doch zu ihnen sind. Taschentuch?

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Anwaltsschreiben sind das neue Butterfly. A$ap Rocky verurteilt. Rappende Frauen klingen alle gleich. Future rappt jetzt über Sucuk und Ayran.

2 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 3 Jahren

    ich kann nur dazu raten, diese fata morgana als jene illusion zu zerstören, die solche typen samt ihren huren des rechts als geltendes recht qua arroganz zu verkaufen versuchen.

    man muss sich immer vor augen halten: eine abmahnung sagt erstmal nichts über die berechtigung und rechtliche korrektheit der jeweiligen forderung aus. die schergen der rap- uns rockstars sind ja keine richter, ihre schriftsätze keine urteile.

    je mehr betroffene dagegen halten, desto eher wird diese scheinmacht gebrochen. ich spucke auf solch unseriöse geschäftsmodelle.

  • Vor 3 Jahren

    Gab es eigentlich schon Abmahnungen wegen einer schlechten Review?