laut.de-Kritik

Hypnotischer Schönklang zum Sonnenbaden.

Review von

Bedächtig plätschert der Bass durch die Boxenrinnen. Zwei dezente Gitarrenmelodien schmiegen sich sanft aneinander und umspülen das fragile Stimmchen der Schlagzeugerin (!) Caroline Banks mit warmen Klängen. Im seichten Bächlein des Openers "I Dreamed We Ruled The Sun" findet sich allerdings auch so mancher spitze Stein. Subtile Noisefragmente und kontrollierte Eruptionen unterwandern die trügerische Harmonie. Durchaus exemplarisch für "As The Cry Flows", den nunmehr dritten Auswuchs der britischen Indierocker von Seafood.

"Heat Walkes Against Me" beweist den Fans der ersten Stunde nach langem Umweg, dass auch das Distortion Pedal seit den letzten beiden Alben nicht vollkommen eingestaubt ist. Trotzdem: Die wilden Jahre sind vorüber, und in den Sound des Quartetts scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Einfach die Augen schließen und das Meereswasser durch den weißen kalifornischen Sand rinnen hören, während sich haushohe Palmen gelassen im Wind wiegen. Der Soundtrack zum Sonnenbaden und gleichzeitigen Inhalieren körperfremder Substanzen.

Krach und Disharmonie sind zu weiten Teilen in der stilistischen Altkleidersammlung für Bedürftige verschwunden. Schönklang formt nun den Kosmos der Meeresfrüchte (wer sich so nennt, ist selber Schuld). "Früher haben wir unsere Songs hinter Noise versteckt", versucht Sänger David Line den Stilwechsel zu erklären. "Heute verstecken wir den Noise hinter den Songs."

Pop ist ohnehin Trumpf, auch wenn hier keine offensichtlichen Hits die Gehörgänge belagern. Mal schweben die fluffigen Melodien dem Hörer schon mit einer lauen Brise entgegen ("Kicking The Walls"), mal muss man sie erst einmal hinter dem Schleier verträumter Melancholie ertasten ("1324"). Erinnert alles ein wenig an Coldplay und ist trotz der vorbelasteten Herkunft doch so unbritisch. Viel eher blicken Seafood über den großen Teich, was das countryesk angehauchte "Orange Rise" noch einmal plakativ unter Beweis stellt.

Auf "As The Cry Flows" verschmelzen hypnotischer Schönklang und kompakter Indiepop. Trotz kleinerer Experimente bleibt die Meereskost immer noch leicht verdaulich – vielleicht sogar ein wenig zu leicht. Schnell ist das Dutzend Songs vorübergeplätschert, doch hängen bleibt kaum etwas.

Trackliste

  1. 1. I Dreamt We Ruled The Sun
  2. 2. Heat Walks Against Me
  3. 3. No Sense Of Home
  4. 4. Summer Falls
  5. 5. Kicking The Walls
  6. 6. Milk And Honey
  7. 7. 1324
  8. 8. Sleeporer
  9. 9. Good Reason
  10. 10. Orange Rise
  11. 11. Broken Promises
  12. 12. Willow's Song

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