laut.de-Kritik

Ein ebenbürtiger Nachfolger zum meistverkauften Akustik-Gitarren-Album aller Zeiten.

Review von

Am 5. Dezember 1980 spielten Al Di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucía einen denkwürdigen Auftritt im Warfield Theatre in San Francisco, der als "Friday Night In San Francisco" in die Musikgeschichte einging, avancierte doch der Konzertmitschnitt mit über zwei Millionen verkauften Einheiten zum meistverkauften Akustik-Gitarren-Album aller Zeiten. Schon einen Tag danach sah man die drei erneut im Warfield Theatre auf der Bühne. Auch diesen Abend ließ das Trio mit zwei 16-Spur-Bandmaschinen mitschneiden.

Jedoch war das Verhältnis der drei Musiker zu dieser Zeit "nicht frei von Spannungen und Rivalitäten" gewesen, wie Thomas Haak im NDR erklärt. Deswegen lagerten die Aufnahmen ganze vier Jahrzehnte lang in Di Meolas Privatarchiv. Anfang des Jahres ließ der Saitenvirtuose sie jedoch mit Zustimmung McLaughlins und der Witwe des 2014 verstorbenen de Lucía komplett neu mischen und mastern. Nun erscheinen sie unter dem Namen "Saturday Night In San Francisco", ergänzt durch einen Essay des amerikanischen Publizisten Charles L. Granata. Die sieben Songs auf dem Album, denen eine kurze Einführung von Bill Graham vorausgeht, enthalten ein gegenüber dem Mitschnitt vom Freitag unterschiedliches Programm, das aus sowohl je einem Solostück der drei Gitarristen als auch vier Trios besteht.

Die Rivalitäten und Spannungen lassen sich die drei Musiker nicht anmerken. Eher fühlen sie sich zu Höchstleistungen angespornt, wie schon "Splendido Sundance" beweist, das mit rhythmischer Begleitung und rasanten, virtuosen Läufen mediterranes Flamenco-Feeling versprüht. Rasant und virtuos fällt auch das erste Solostück "One Word" aus, wenn McLaughlin pfeilschnell seine Finger über die Saiten flitzen lässt, ohne dabei melodisch ins Leere zu laufen. Das den ganzen Abend überaus gut aufgelegte Publikum dankt es ihm mit tosendem Applaus nach jeder gelungenen Passage. Di Meolas "Trilogy Suite" lebt mehr von spannenden Variationen, was Rhythmus und Tempo betrifft. "Monasterio De Sal" erweist sich danach als gut gelauntes Flamenco-Stück, das Paco de Lucía mit viel Temperament spielt.

Die weiteren drei Trio-Nummern könnten unterschiedlicher kaum sein, stammen sie doch alle aus verschiedenen Federn. Das von de Lucía komponierte und arrangierte "El Pañuelo" knüpft mit einfallsreichen Soli und rasanten Läufen nahtlos an "Splendido Sundance" an, wirkt jedoch von der Grundstimmung her etwas melancholischer. "Meeting Of The Spirits", das aus der Feder McLaughlins stammt, gestaltet sich gegenüber der rockigen Originalversion auf Mahavishnu Orchestras "The Inner Mounting Flame" aufgrund der sparsameren Instrumentierung und den locker aus dem Ärmel geschüttelten Soli als noch mitreißender. Das von Bossa Nova-Komponist Luiz Bonfá komponierte "Orpheo Negro" bildet schließlich einen ruhigen, nächtlichen Abschluss.

Wer also "Friday Night In San Francisco" schätzt, sollte sich "Saturday Night In San Francisco" nicht entgehen lassen, zumal das Klangbild gegenüber dem Millionenseller nahezu identisch ist und alle drei Musiker das absolute Maximum aus sich herausholen.

Trackliste

  1. 1. Bill Graham Introduction
  2. 2. Splendido Sundance
  3. 3. One Word
  4. 4. Trilogy Suite
  5. 5. Monasterio De Sal
  6. 6. El Pañuelo
  7. 7. Meeting Of The Spirits
  8. 8. Orpheo Negro

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2 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Habe ich das richtig in Erinnerung, dass di Meolas Gezupfe dir bei aller technischen Finesse im Großen und Ganzen meistens emotional zu flach war, Toni, oder verwechsel ich da was?

    Ich habe Ähnliches jedenfalls schon paarmal gelesen und empfinde, je nach Stimmung, manchmal ähnlich, auch auf dem legendären Vorgänger hierzu. Worauf ich eigentlich hinauswill: Das mit dem „Maximum aus sich herausholen“ aus einer Konkurrenzsituation heraus klingt für mich leider ein bisschen so, als könnte dieser Aspekt damit eher noch betont werden. Kommt das hin? Oder sollte man es, auch entsprechenden Bedenken zum Trotz, mit der Platte nochmal versuchen?

    • Vor 2 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 2 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Monaten

      Versuch mal. Lebt auf jeden Fall viel von Virtuosität, finde aber nicht unbedingt, dass das emotional flach gestaltet wäre. Gerade De Lucía bietet da mit seinem beseelten Flamenco-Spiel eine Menge Ausgleich zu den Passagen, die eher durch viel Technik überzeugen. Virtuosität und Gefühl halten sich auf dieser Aufnahme sehr gut die Waage, wie ich finde.

    • Vor 2 Monaten

      Merci f d Antwort, dann kommt das nachher mit auf die Theke.

  • Vor einem Monat

    Schon sehr geil. Sicher, es ist das perfektionistische Flexfest, das Di Meola als treibende Kraft hinter der späten Veröffentlichung unbedingt haben wollte. Aber durch das durchweg gut hörbare Publikum, das bei aller frenetischen Begeisterung an einigen Stellen eben ab auch mal mit dem richtigen Ausdruck derselben ringt (Andächtiges Lauschen vs. Mitklatschen/Jubeln usw.), wirkt es trotzdem recht lebendig. Ein Genuss für die Ohren ist es sowieso, man braucht sich auch keine übertrieben audiophilen Neigungen antrainiert bzw. zusammengesponnen haben, um das festzustellen. Passt für mich gerade außerdem einfach perfekt in diese tropischen Hundstage und vor allem -nächte. Vielleicht mag ich es sogar noch ein bisschen lieber als die zugehörige Freitagsaufnahme.