laut.de-Kritik

Der Maestro hat Lust und gute Laune.

Review von

Manches, das Al Di Meola längst etabliert hat, ist auch auf dem neuesten Wurf des Gitarrenvirtuosen omnipräsent: Sein präziser, glockenheller, gerne mit ordentlich Gitarrensynth angereicherter Ton. Oder sein Hang zur Komplexität und Synkopierung in Rhythmus und Phrasierung.

Es gibt aber auch etwas, das für Di Meola eher neu ist: das private (Familien-)Glück. Zum ersten Mal habe er aus einem Glücksgefühl heraus ein Album aufgenommen, erzählt er. "Opus" heißt es, "Werk", man könnte es aber auch "Werkschau" betiteln. Schließlich zeigt Di Meola darauf einen Querschnitt seines musikalischen Kosmos.

Dieser Kosmos beginnt bei Jazz und landet bei seiner musikalischen Liebe Astor Piazzolla, bei Tango und Polyrhythmen, bei Latin und Fusion, bei waghalsigen Melodieführungen und süßlichen World-Schmeichelein. Die Reise führt ihn zudem auch wieder ins Elektrische, in die Rockmusik – in Welten, die der Gitarrist einst mithalf, zu verbinden.

"Opus" eröffnet das über achtminütige "Milonga Noctiva", gemeinsam mit Kemuel Roig am Piano. Maestro Di Meola schwingt sich leichtfüßig durch tonal komplexen Schönklang auf der Nylonsaiten-Gitarre, unter Klavier und Gitarre legen sich Streicherklänge.

Er liefert hier keinen ungewohnten Sound – das wird er auf dem ganzen Album nicht tun. Er exerziert keine Virtuosität zum Selbstzweck, Grenzauslotungen stehen ebenfalls nicht auf dem musikalischen Menü. Vielmehr wollte Di Meola auf "Opus" den Fokus aufs Kompositorische richten, eher als Komponist denn als Gitarrenvirtuose in Erscheinung treten. Dass der Virtuose dennoch ans Tageslicht kommt, sobald er eine Gitarre in die Hand nimmt, bedarf keiner Erwähnung.

Apropos Tageslicht: Ebensolches sieht auch die elektrische Gitarre wieder. Di Meola greift zur Les Paul – und zwar schon beim zweiten Track "Broken Heart", einem Latin-Jazz-Stück. So würdig und recht er auf der Akustischen erscheint, ihn auf der Elektrischen zu hören, macht großen Spaß.

Auch ein Wiegenlied hat Di Meola geschrieben. "Avas's Dreamsequence Lullaby" entpuppt sich aber natürlich nicht als simples Schlaflied für Töchterchen Ava, sondern als eine – das Wort passt durchaus gut – zehnminütige, süßlich-komplexe Traumsequenz. Musikalische Früherziehung muss schließlich sein.

Die Familie steht auch bei einem anderen Stück im Vordergrund: "Cerreto Sannita" handelt davon, wie Di Meola das italienische Geburtsdorf seines Großvaters besucht. Jener Ort, dessen Name ihm sein Leben lang ein präsenter Begriff gewesen war, machte ihn zum Ehrenbürger: ein emotionaler Moment für Di Meola. Konsequenterweise ziert das Albumcover das Familienwappen, wenn auch modifiziert.

Manchmal macht die Süße, die viele der Stücke besitzen, aber auch Raum für zünftigen Groove. Bei "Notorious" zum Beispiel weicht die Weltmusik-Sinfonie Fusion, und am Ende lässt Di Meola bei "Rebels" überhaupt – auf seine Art – den Rocker raushängen. Mit cremigem, eleganten, sophisticated Ton, versteht sich.

Di Meola hatte Lust und gute Laune, das meint man dem Album durchaus anzuhören. Geschmackvoll instrumentiert mit dezenter Percussion, Klavier, seinem wunderbarem Gitarrenton und verhältnismäßig wenig Gitarrensynth führt uns "Opus" durch Di Meolas kompositorisches und instrumentales Können. Es gibt nichts zu meckern, es gibt viel zu staunen.

Trackliste

  1. 1. Milonga Noctiva
  2. 2. Broken Heart
  3. 3. Ava's Dream Sequence Lullaby
  4. 4. Cerreto Sannita
  5. 5. Notorious
  6. 6. Frozen In Time
  7. 7. Escapado
  8. 8. Pomp
  9. 9. Left Unsaid
  10. 10. Insieme
  11. 11. Rebels

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1 Kommentar

  • Vor 4 Jahren

    Killeralbum!
    wenn man ihm seine oft leicht überspannte sophisticated ausformung von komposition, arrangement und spielweise nachsieht und sich davon nicht abschrecken lässt, erhält man ein echtes meisterwerk.

    das müsste doch auch was für toni sein.