laut.de-Kritik

Drei Freundinnen und die schrammelige Indie-Kassette.

Review von

Auch wenn der Opener "Anti-Glory" heißt: aller Ruhm für diesen Song, der ein seltener Instant-Indie-Klassiker ist. Irgendwo zwischen Sonic Youth, The Breeders und Elastica angesiedelt, wird er dem Indierock-Trio aus Chicago einen ewigen Platz in den Alternative-Playlisten einbringen.

Die drei besten Freundinnen Penelope Lowenstein (Gitarre, Gesang), Nora Cheng (Gitarre, Gesang) und Gigi Reece (Schlagzeug) haben sich den etwas eigenartigen Namen Horsegirl gegeben (Fun Fact: vor zwei Jahren sorgte eine andere Indie-Girlband namens Goat Girl für Furore), und ihre enge Verbundenheit ist eines der Geheimnisse ihres warmen, intensiven DIY-Sounds. Ein zweites ist wohl der gleichzeitige intim anmutenden Gesang, der den Songs oft einen surrealen Anstrich gibt, als ob zwei verschiedene Perspektiven zusammenliefen.

Genährt aus Underground ihrer Heimatstadt, dem Schrammel-Indie der 80er und 90er und somit dem Geist des freien Herumspielens, entstanden auf ihrem Debüt Tracks, die zwischen Hymnen und Herumexperimentieren schillern. In ihren "Versions Of Modern Performance" mischen sich dröhnende Shoegaze-Elemente und Noise-Rock-Fetzen genauso wie rotziger Pop-Charme oder kratziger No-Wave sowie energetischer Post-Punk.

Als Einflüsse nennen sie selbst Yo La Tengo, My Bloody Valentine und Stereolab – und ja, würden diese ein Album zusammen machen, es hätte wohl den punkigen und autonomen Spirit, den die drei Teens hier auf unglaublich erfrischende und eigenständige Weise entfalten. Denn trotz der hörbaren Inspirationen, das hier ist kein Pastiche, sondern souverän und selbstbestimmt.

Nach dem umwerfenden Indie-Rock-Debüt von Wet Leg ist dies 2022 bereits das zweite von Frauen veröffentlichte Album, das die doch oft männlich dominierte Szene gründlich durcheinander wirbelt. Das britische Indie-Duo Wet Leg bezeichnet seinen Sound als "party music for sad people" – und in dieser Party sind Horsegirl ebenfalls bestens aufgehoben.

Trackliste

  1. 1. Anti-Glory
  2. 2. Beautiful Song
  3. 3. Live And Ski
  4. 4. Bog Bog 1
  5. 5. Dirtbag Transformation (Still Dirty)
  6. 6. The Fall Of Horsegirl
  7. 7. Electrolocation 2
  8. 8. Option 8
  9. 9. World Of Pots And Pans
  10. 10. The Guitar Is Dead 3
  11. 11. Homage To Birdnoculars
  12. 12. Billy

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2 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Monaten durch den Autor entfernt.

  • Vor 2 Monaten

    FUN FACT:

    "Horse Girl" ist auch der Titel eines Netflix-Films, in dem die großartige Alison Brie in der Hauptrolle (und mit nicht unerheblicher Beteiligung am Script) eine der wenigen authentisch wirkenden und somit eher gelungenen medialen Darstellungen von psychischer Krankheit bietet.

    Mindestens ein Wochenende mit zwei Ohren werde ich der Platte nicht zuletzt aufgrund dieser Querverbindung im Namen gönnen, da konnte die Rezi schon auch einen zusätzlich verstärkenden Effekt beisteuern.

    (Edith merkte völlig treffend an, dass mein Ursprungskommentar den dickstmöglichen Spoiler zur Filmprämisse beinhaltete)

    • Vor 2 Monaten

      Kein über Film, der allerdings auch nicht wusste, wie er die Story zu Ende bringen soll.

    • Vor 2 Monaten

      Vielleicht seh ich das zu philosophisch oder einfach nur Alison Brie immer noch zu sehr durch die rosarote Brille, aber da der Film ja eh wenig storybasiert und eher angelehnt an biografische Werke zumeist einfach nur ausschnittsweise den Ereignissen und Erlebnissen im Alltag einer Normalo-Protagonistin folgt, deren Leben halt wie das der allermeisten Menschen ohne Verkürzungen und Dramatisierungen nicht zum Verfilmen fürs Popcorn-Kino taugt, vermisse ich da auch nicht so wirklich die tragenden Elemente aus der Heldenepen-Baukastenanleitung wie z.B. versöhnliche oder allgemein eher verträgliche Auflösung zum Schluss etc.