laut.de-Kritik

Riecht wie Sonnencreme und Schwimmbadpommes.

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Die große Zeit von Kool & The Gang mit Hits wie "Celebration", "Fresh" und "Cherish" liegt vierzig Jahre zurück. Die besten Alben, "Wild And Peaceful" und "Spirit Of The Boogie", sogar schon fünfzig. Wer sie nicht kennt, sollte dringlichst reinhören. Seit den 1990ern schauen ihre neuen Veröffentlichungen höchstens aus Versehen noch einmal in den Top 100 vorbei. Trotzdem veröffentlicht die Band mit "People Just Wanna Have Fun" nun tapfer ihr vierunddreißigstes Album.

Wobei die Zeit die einst so grandiose Gang mittlerweile auf ihre Rhythmussektion reduziert hat: Nachdem Altsaxophonist Dennis "Dee Tee" Thomas 2021 kurz vor dem Release von "Perfect Union" verstarb, weilen mit Bassist Robert "Kool" Bell und Schlagzeuger George "Funky" Brown gerade noch zwei Gründungsmitglieder unter uns. Den Platz am Mikro teilen sich Sha Sha Jones, Shawn McQuiller, Lavell Evans, Dominique Karan, Rick Marcel und Walt Anderson sowie die Rapper Ami Miller & Ole. Ein ständiges Kommen und Gehen. Zudem enthält das Album die letzten Aufnahmen von Thomas und Kools Bruder Ronald Bell (Saxophon).

Zeigte der zwei Jahre zurück liegende Vorgänger noch ein sehr breites und subtiles Bild von Kool & The Gang, setzt "People Just Wanna Have Fun" vor allem auf Funk und Rhythmus. Kein Wunder. Das hier ist Partymusik, und das wollen Bell und Brown auch alle wissen lassen. Deswegen lautet jedes siebte Wort entweder "Party" oder "Fun", dazwischen irgendwas mit Liebe. Damit wäre das Text-Thema abgefrühstückt. Eine weitere Message sucht man hier vergebens.

Um wirklich Spaß an dem Album zu haben, muss man sich jedoch erst einmal mental an der zeitweise schrecklich veraltet anmutenden Produktion, die mehr nach den späten 1990ern oder frühen 2000ern klingt, vorbeikämpfen. Von den Rap-Parts rieselt dermaßen der Staub, dass sich der eine oder die andere Archäolog:in wohl über deren Fund freuen dürfte. Manches kann Spuren von New Jack Swing enthalten. Dennoch, die Kool & The Gang-Wurzeln bleiben allgegenwärtig.

Bereits die ersten Takte von "Let's Party" verdeutlichen dies. Das groovende Zusammenspiel von Gitarre und Bass zeigt, dass wir es hier mit den Resten der Band zu tun haben, die einst "Celebration" schrieb. Als hätten Kool & The Gang erneut die Quintessenz ihrer größten Hits in diesen einen Song stecken wollen. Die modulierten Vocals hingegen reichen nicht an damals heran. Spaß macht das aber allemal und riecht verdammt nach Sonnencreme und Schwimmbadpommes. Ein kurzes "Summer Madness"-Zitat gegen Ende unterstützt dies nur noch.

"We Are The Party" funkt wie Bootsy Collins' Brillen. Ausgerechnet der mit einer viel zu penetranten Bassdrum unterlegte Titeltrack klingt hingegen wie ein mittelmäßiges Prince-Stück, das dieser nicht haben wollte und daher weiterverschenkte. In "Heaven's Gift" kann man sich nur schwer entscheiden, was denn nun schlimmer ist: der Latin-Kitsch oder die katastrophal abgemischten Vocals.

"Give Love" sorgt mit seinen Reggae-Einflüssen für eine erfreuliche Abwechslung und mausert sich so zu einem "People Just Wanna Have Fun"-Highlight. Den Hauptgewinn holt sich jedoch "99 Miles To JC" ab. Ein sanfter Jazz-Funk, der von einem Bläser-Solo zum nächsten flaniert. Eine Verbeugung vor den Verstorbenen, Ronald Bell und Posaunist Clifford Adams, die hier beide noch einmal zu hören sind. Hinzu kommt ein Trompetensolo von Michael Ray.

Vieles auf "People Just Wanna Have Fun" funktioniert, anderes geht arg in die Hose. So stellt der Longplayer ein wahres Fest für Rosinenpicker:innen dar, das ebenso viel Lebensfreude wie Probleme birgt. Wenn die Band schon nur noch aus Bass und Schlagzeug besteht, warum muss man dann immer wieder auf programmierte Beats von anno dazumal setzen? Oft schwächeln die Songs ausgerechnet im Refrain. Das Experiment mit ständig wechselnden Sänger:innen erschwert die Identifikation mit dem Album und schwächt ein geschlossenes Gesamtbild. In Stücken wie "I Want It All" empfiehlt sich die 32-jährige Sha Sha Jones am deutlichsten für den alleinigen Leadgesang auf einem möglichen Nachfolger. Und, bitte, bitte, bitte mit Sahnehäubchen oben drauf, lasst dann die Rap-Parts weg.

Trackliste

  1. 1. Let's Party
  2. 2. Movie Star
  3. 3. People Just Wanna Have Fun
  4. 4. We Are The Party
  5. 5. Vip
  6. 6. Na Na Na
  7. 7. Go Get It
  8. 8. Give Love
  9. 9. I Want It All
  10. 10. Heaven's Gift
  11. 11. Obsession
  12. 12. For The Woman In You
  13. 13. My Weakness
  14. 14. That's What I Love About You
  15. 15. 99 Miles To JC

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