Give me a D, give me an Arkness! Die britische Glam-Band landet in der Domstadt - mit viel nackter Haut und Spielfreude. Konzertreview.

Köln (rnk) - Es gibt viel zu feiern in Köln, und damit ist nicht Karneval gemeint. The Darkness spielen anlässlich ihres 20-Jährigen noch mal ihr Debütalbum "Permission To Land" in voller Länge. Satte vier Millionen verkaufte Einheiten gingen Oasis-Entdecker Alan McGee durch die Lappen: Er hatte lauthals über den Falsett-Gesang Justin Hawkins' gelacht und die bunten Glamrocker-Band nicht auf seinem Kultlabel Creation Records gesignt.

Pech gehabt, Alan McGee

McGee teilte diese Meinung damals mit vielen Kollegen, die in The Darkness nur eine lächerliche Gimmick-Band sahen und kein großes Talent. In ihren in der Tat urkomischen Videos tauchten Aliens und Raumschiffe auf - perfekte Metaphern für das Außenseitertum. Dabei übersahen viele das exzellente Songwriting der Hawkins-Brüder, die schlichtweg nur Spaß und Freude vermitteln wollten.

Eine Attitüde, die gerade nach der Grunge-Phase extrem verpönt war. Doch auch ältere Hardrock-Fans winkten aufgrund des leicht queeren Touches der Truppe ab. In dem sehr empfehlenswerten Podcast und Youtube-Kanal "Justin Hawkins Rides Again" erlebt man jedenfalls einen äußerst sachkundigen Musiknerd und vor allem großartigen Menschen. Genau an diesem Konzerttag erscheint - wohl leider erst mal nur in UK - eine Doku über The Darkness.

Falsett-Contest auf der Bühne

Justin Hawkins ist ein Typ, der nie durch Gemeinheiten auffiel. Ein nach außen hin optimistischer Sonnenschein, der aber auch die dunklen Zeiten einer zum Glück überwundenen Suchtkrankheit und Depression bewältigen musste. Ein lieber Kerl, der das Gute sehen will, statt einfach nur draufzuhauen. Eine Einstellung, die oft belächelt wurde, aber heutzutage dringend nötig wäre. The Darkness wollen unterhalten und den gut 1.000 Fans in der Kölner Essigfabrik einfach eine gute Zeit bereiten.

Mit dem Auftaktsound, Abbas "Arrival", versauen sie jedenfalls genau einem Konzertbesucher erst mal kurz die Laune, bevor der Blues-Hardrocker "Black Shuck" ertönt, und die Band bunt kostümiert auf der Bühne erscheint. Natürlich mit dem Unterschied, dass diese Paradiesvögel schon immer so flamboyant auftraten - ganz ohne biergeschängertes Jecken-Dasein. Wer heute übrigens den Fotografen-Job inne hatte, erlebte einen denkwürdigen Arbeitstag: Schon beim zweiten Song wurde man von Hawkins aus dem Fotograben auf die Bühne gebeten - um zum vom Publikum goutierten Falsett-Contest anzutreten.

Einhorn-Mann Justin

"Be Nice" heißt eine Rubrik in Justin Hawkins' Channel, was frappierend an das altruistische "Be Kind"-Credo von Harry Styles erinnert. Der nahm auf seinen Deutschland-Konzerten übrigens den Darkness-Hit "I Believe In A Thing Called Love" in die Setlist. Dabei spielten The Darkness im Zenit ihres kommerziellen Schaffens auch schon vor 80.000 Menschen. Heute geht es eine Nummer kleiner zu, ausverkauft sind die Deutschland-Gigs trotzdem.

Und die Stimmung ist hervorragend. Aber wie sollte das auch anders sein bei einem so blendend aufgelegten Einhorn-Mann wie Justin Hawkins? Der grinst, schaut wie immer leicht irre und will, dass absolut jeder hier eine gute Zeit hat. Da darf sich sogar ein Crew-Mitglied die Gitarre umhängen und in "Curse Of The Tollund Man" miteinstimmen. Wie ein kleines Kind freut sich Justin auch über eine The Darkness-Flagge, die er Steven Tyler-mäßig mit einem Haargummi am Mikrofon befestigt.

Sogar sein stets grimmig dreinblickender Bruder ringt sich ab und zu ein leichtes Anheben von zumindest einem Mundwinkel ab. Dan spielt lieber seine Brian May-Soli und überlässt dem hibbeligen Bruder die Show. Weiteres Bonmot für Queen-Fans: Rufus, Sohn von Roger Taylor, bedient die Drums. Der blonde Frauenschwarm erinnert nicht nur vom Namen her an Taylor Hawkins, den vergangenes Jahr verstorbenen Foo Fighters-Drummer. Für einen Moment wird dann sogar Justin ernst: Vor "How Dare You Call This Love" bittet er die Fans, doch für den Rest des Sets einfach mal das Smartphone stecken zu lassen. Eine Begründung: Er würde einfach gerne mal die vielen schönen Gesichter sehen.

Lustvoller Tausch im Bademantel

Er zahlt es seinen Fans mit einer ausgesprochenen sexy Time zurück - sofern man Männer über 40 in viel zu kurzen Bademänteln sehen möchte. So bewundert man im Zugabenteil viel nacktes Bein und erstaunlich glänzende Shorts. In dieser anrüchigen Atmosphäre kommt es dann tatsächlich zum lustvollen Tausch, wenn auch nur an den Instrumenten: Bassist Frankie Poullain, immer noch mit dem schönsten Schnauzbart ausgestattet, greift zur Akustikgitarre, Dan setzt sich hinter das Schlagzeug, und Rufus versucht sich am Bass. Der Verruchtheit von "I Love You Five Times" tut das keinen Abbruch. Dieser leichte Anflug von Hugh Hefner-Geilheit untermalt den Song jedenfalls angemessen.

Insgesamt hätte man sich - dem Jubiläum entsprechend - an diesem Abend noch ein paar handfeste Anekdoten zu den einzelnen Songs gewünscht. Doch wo es aber verbal etwas hakt, hält es Justin nicht mehr auf der Bühne und lässt sich zum Finale "Love On The Rocks With No Ice" noch einmal mit der Gitarre auf den Schultern durch die Halle tragen. So geht ein sehr lustiger Abend mit der Hoffnung zu Ende, dass dieser geschundene Planet mitsamt seinen oft arschigen Bewohner:innen doch noch nicht ganz verloren scheint. Solange es The Darkness und solche Konzerte gibt, darf man weiterhin von einem Ort träumen, an dem wirklich alle noch an dieses Dingens namens Liebe glauben.

Fotos

Berlin, Admiralspalast, 2023 Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins.

Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta) Startschuss zur Europatournee: So spielfreudig wie gesund präsentiert sich die Band um Charismatiker Justin Hawkins., Berlin, Admiralspalast, 2023 | © laut.de (Fotograf: Désirée Pezzetta)

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1 Kommentar

  • Vor 3 Monaten

    Mucke für Bauernopfer wie Sancho, die auch Steel Panther feiern, weil die so herrlich ironisch sind. Den Spaß hat er sich bestimmt nicht entgehen lassen, Inklusive "Yeah!"-Rufen und dem kläglichen Versuch, sein Spargelärmchen für nen Fistbump Richtung Bühne zu strecken.