Porträt

laut.de-Biographie

Carlo Buti

Carlo Giuseppe Eugenio Buti wird am 14. November 1902 in San Frediano (Oltrarno) nahe der toskanischen Hauptstadt Florenz in einfachen Verhältnissen geboren. Sein Vater arbeitet als Laufbursche für das hiesige Telegrafenamt.

Carlo verlässt noch als Teenager die Schule und geht zunächst diversen Handlangerjobs wie Milchlieferant oder Bäckergehilfe nach und steuert Fähren über den Arno. Im Juweliergeschäft seines Onkels hilft er als Silberschmied aus. Auch verdingt er sich zwischenzeitlich als ambitionierter Amateurboxer.

Die Damenwelt weckt schließlich sein Interesse an der Musik: Er und sein Bruder Ezio versuchen sich schon früh in der Kunst des Stornello, einer besonderen Form des toskanischen Volkslieds, das um das 17. Jahrhundert in Mittelitalien entstand. Eine strikt improvisierte, oft auch satirische Ode in Reimform, die der Geliebten wie ein Minnesänger dargebracht wird. Inhaltlich geht es natürlich nur darum, sich die Gunst der Angebeteten zu ersingen.

Buti erkennt in dieser romantischen Sangeskunst sein stimmliches Talent und nimmt traditionellen Gesangsunterricht bei Raoul Frazzi, der später den international bekannten florentinischen Opernbariton Gino Becchi unter seine Fittiche nimmt. Buti interessiert sich jedoch weniger für eine Karriere an der Oper als für die populärere Volksliedkunst.

1928 gibt er sein verheißungsvolles Debüt als Tenor im Apollo in Florenz und wird von der Bühne weg vom Unternehmer und Impresario Pittaluga als Varieté-Sänger für dessen Kinobühnen engagiert, wo Buti die neuesten Stummfilme begleiten soll. Als "L'artista del bel canto", dem "Künstler des schönen Gesangs", erfreut er mit einem riesigen Repertoire an toskanischen, neapolitanischen aber auch spanischen Volksweisen das Publikum. Diese gibt er im Stile des Stornello wie ein Troubadour zum Besten gibt.

Seine Fans schicken ihm inzwischen körbeweise Briefe mit neuen Liedern zu, die er in sein Repertoire aufnimmt und ab 1929 auch im Radio EIAR singt (aus dem Radiosender geht später die RAI hervor).

Ab 1930 hat er einen Vertrag mit der Schallplattenfirma Edison-Bell, für die er im Akkord 78er-Schellackscheiben besingt. Das neapolitanische Liedgut erfährt zudem seine Renaissance, als in dieser Zeit das Festival von Piedigrotta in Neapel wiederbelebt wird. Eigentlich ein zutiefst katholisches Fest der Marienverehrung, bei dem jährlich parallel ein Wettbewerb stattfindet, der die besten neapolitanischen Volkslieder kürt. Buti übernimmt auch die dort favorisierten Lieder in sein Repertoire.

Die damals berühmten Opernstars Galliano Masini, Tito Schipa und Beniamino Gigli werden auf ihn aufmerksam und zählen sich öffentlich zu seinen Verehrern. Buti wird mit einer vergleichbar eher dünnen Falsett-Stimme zum Inbegriff einer neuen, jungen Generation von Tenören, die sich - meist wie Buti selbst aus einfachen Verhältnissen stammend - mehr dem profaneren romantischen Liedgut als der altehrwürdigen Opernhochkultur widmet. Sein Name wird in Italien zum Synonym der leichten Unterhaltung.

1934 wechselt er zu Columbia, die ihn mit ihrem großen weltweiten Vertriebsnetz auch international berühmt macht. Er setzt nach New York über, von wo aus er im Oktober 1937 seine erste Amerikatour beginnt. Während des sechsmonatigen Aufenthalts wird er auf Bühnen der Ostküste der USA als "La Voce d'Oro" ("Die goldene Stimme") gefeiert und gibt diverse Auftritte im Radio.

Buti ist inzwischen bekannt dafür, dass er meist nur einen Take braucht, um im Studio ein Lied einzusingen. So umfasst sein Werk insgesamt 1574 bekannte Aufnahmen. Seine Stimme zählt somit zu den am meisten auf 78er-Schallplatten aufgenommenen überhaupt.

Sein Filmdebüt gibt der gefeierte Tenor am 16. Dezember 1938 in dem quasi-autobiografischen Spielfilm "Per Uomini Soli" ("Nur Für Männer"), der erfolgreich in Italien und den USA läuft. Erst zwei Jahre zuvor hat der Tonfilm den Stummfilm vom Markt verdrängt und das Publikum ist begeistert von den heiter beschwingten Balladen des Sängers. Der Erfolg verlangt von Buti auch die Westküste mit seiner Kunst zu erfreuen und so startet er dort im Februar 1939 gleich die nächste Tournee.

Der Zweite Weltkrieg zwingt ihn aufgrund der politischen Isolation Italiens und seiner Landsleute zu einer kreativen Pause, zumindest auf internationalen Bühnen. Doch schon 1946 bereist er erstmals den südamerkanischen Kontinent, vornehmlich Brasilien, Uruguay und Argentinien. Er singt dort vor tausenden von Zuschauern und macht Aufnahmen fürs Radio.

Auch 1947 tourt er weiter durch Südamerika, bis er 1948 nach New York gerufen wird, um Konzerte im Manhattan Center und der renommierten Carnegie Hall zu geben. Dieser Auftritt markiert den Karriere-Höhepunkt.

1949 hat er auch Auftritte in Kanada und 1953 wieder vor dem treuen südamerikanischen Publikum. In den 50er Jahren tritt Buti vor allem auf diversen Festivals auf, allen voran das "Festival della canzone italiana" in San Remo, welches er jedoch nie gewinnt. Es ist die Zeit, als der R'n'R seinen weltweiten Siegeszug antritt. Buti erkennt seine schwindende Popularität und zieht sich 1956 endgültig aus dem Musikgeschäft zurück. Zwei Tage nach seinem 61. Geburtstag stirbt er am 16. November 1963 nach kurzer Krankheit in seiner toskanischen Heimat Montelupo Fiorentino.

In Italien gilt Buti heute noch als "Urvater der modernen italienischen Popmusik". Mit seinem unvergleichlichen Stil und dem unverkennbar leichtfüßigen Tremolo in der Stimme hat er es geschafft, über die italienischen Grenzen hinweg Berühmtheit zu erlangen.

Vor allem auf dem amerikanischen Kontinent, vornehmlich in den USA, aber auch in Uruguay und Argentinien. In Montevideo und Buenos Aires sind sogar Straßenzüge nach ihm benannt. Seine Popularität hat die Zeiten aber nicht spurlos überdauert. Sein Werk ist heute leider weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Surftipps

  • Find A Grave Memorial

    Für pilgernde Fans: Die letzte Ruhestätte der "Goldenen Stimme"

    http://http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=7919922

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