Porträt

laut.de-Biographie

Laurent Garnier

Für die französische House- und Technoszene ist er das, was Sven Väth für Deutschland ist. Laurent Garnier zählt als DJ, Produzent und Labelbesitzer zu den wichtigsten Figuren in der elektronischen Musik und sein Ruf reicht längst weit über Frankreich hinaus. Zur Welt gekommen ist Laurent Garnier am 1. Februar 1966 in Boulogne sur Seine, doch seit seinem 20. Lebensjahr ist Garnier Weltenbürger, der mit Musik im Gepäck den ganzen Globus bereist.

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Begonnen hat Garniers Karriere in Großbritannien Ende der 80er Jahre. Im legendären Hacienda in Manchester zappelt der Underground zu den verschobenen Acid House-Sounds, die wie eine Bombe in die Clubs einschlagen. An den Decks im Hacienda steht Garnier, auf der Tanzfläche hüpfen die Stone Roses und die Happy Mondays im Beat.

Wieder Zuhause stimmt Garnier die Franzosen in seinem Pariser Club "Wake Up" drei Jahre lang auf Techno und House ein, bevor er das Hauptaugenmerk auf die Produktion eigener Tracks legt. Seine "A Bout De Souffle"-EP, eine Referenz an den gleichnamigen Nouvelle Vague-Klassiker von Jean Luc Goddard in dem der junge Jean Paul Belmondo erstmals für Aufsehen sorgt, gilt heute als Klassiker. Doch trotz hochkarätiger Releases muss das Label FNAC Konkurs anmelden und Laurent Garnier gründet gemeinsam mit Eric Morand F Communications. In den folgenden Jahren erscheint dort neben zahlreichen Underground-Releases auch Stoff für die Charts, beispielsweise Mr. Oizo.

Trotz eines beachtlichen Backkatalogs an 12" steht der erste Longplayer "Shot In The Dark" erst 1995 in den Plattenläden. Ähnlich wie seine Sets, die sich durch eine enorme stilistische Bandbreite von Deep House über Disco bis zu hartem Detroit Techno auszeichnen, lassen sich auch die Longplayer nicht an Genregrenzen fest machen. Ob auf "30", seiner zweiten LP oder "Unreasonable Behaviour", Laurent Garnier versteht sich als Groove-Artist im besten Sinne, wie er immer wieder als Live-Act oder DJ unter Beweis stellt. Darüber hinaus lässt er in seinem Buch "Elektroschock" (Hannibal) den Werdegang von Techno anhand der eigenen Karriere Revue passieren und arbeitet an einem neuen Studio-Album.

"The Cloud Making Machine" erscheint 2005 und verzichtet fast vollständig auf Beats. Garnier folgt hier seiner Liebe für Film-Soundtracks. Bei seinen Liveauftritten dominieren weiterhin die geraden Beats, allerdings kooperiert Garnier gerne mit befreundeten Musikern und verleiht dem Ganzen so einen Jam-Session Charakter. Die CD "Retrospective" aus dem Jahr 2006 verwöhnt die Fans mit einigen exklusiven Livemitschnitten.

Im selben Jahr zeigt Garnier einmal mehr sein Können an den Plattenspielern. Mit der Compilation "The Kings Of Techno" zelebriert er eine Techno-Geschichtsstunde der besonderen Art. An seiner Seite ist dabei Carl Craig.

Im Jahr 2008 packt den Altmeister die Lust am Experiment: Auf dem Mannheimer Elektronikfestival Time Warp stellt sich der Franzose auf einem eigens für ihn reservierten Floor ganze acht Stunden hinter die Plattenteller. "Laurent Garnier all night long" - wohl selten traf ein Partyslogan so derart ins Schwarze.

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"Tales Of A Kleptomaniac" stellt dann ein Jahr später mit seinem Genremix aus Hip Hop, Soul, Electro, Dubstep, Breakbeat, House und Techno eine einzige Hymne an die kreative Kraft der Urbanität dar.

Neben seinen Alben und Singles ist Garnier auch als Komponist für Kino, Fernsehen und Theater tätig. Er komponiert Musik für Filme wie "SDF Go Home" oder "Qu’allah bénisse la france", für den Dokumentarfilm "Play" oder den Animationsfilm "Globi And The Stolen Shadows". Für das Theater schreibt er die Musik für die zeitgenössischen Tanzchoreographen Angelin Preljocaj ("Fire Sketch" und "Suivront mille ans de calme") und Marie-Claude Pietragalla. 2015 produziert er außerdem das Album "Scarifications" für den französischen Rapper Abd Al Malik.

Im selben Jahr bündelt er Tracks, die er das Jahr zuvor auf fünf verschiedenen Labels aus fünf verschiedenen Ländern veröffentlicht hat sowie unveröffentlichte Songs zu "La Home Box". 2017 veröffentlicht er auf Kompakt mit "Speicher 95" eine starke EP, die sich zwischen Tech House, Microhouse und French House bewegt. Im selben Jahr erhält er mit dem Verdienstorden "Légion d'honneur" die höchste zivile Ehrenauszeichnung, die jemandem in Frankreich verliehen werden kann.

Danach widmet er sich weiter der Filmmusik ("Paris est à nous", "Entre la vie et la mort"), scheut sich aber auch nicht vor dem Stilwechsel: Auf "De Película", seinem gemeinsamen Album mit der Neo-Psychedelic-Beat-Band The Limiñanas, schweigen die Techno-Beats durchgängig. Dafür schlägt die Scheibe, die 2021 auf den Markt kommt, erfolgreich die Brücke von The Velvet Underground über Serge Gainsbourg bis hin zu The Jesus And Mary Chain. Zudem feiert im selben Jahr der Film "Off The Record" Weltpremiere, in dem der Regisseur Gavin Rivoire die Karriere Garniers zeigt und ein Bild der Entwicklung des Technos in Europa zeichnet. Nebenher betreibt der Franzose zusammen mit Scan X das Label COD3 QR, auf dem er selbst Künstler fördert, die später einmal in der Lage sein sollen, in seine Fußstapfen zu treten. Zudem spielt er rund um die Uhr seine Lieblingstracks auf seiner Radiostation PBB Pedro's Broadcasting Basement.

Bei aller Produktivität und Vielseitigkeit bleibt die Musik Dreh- und Angelpunkt: Garnier verbringt die meiste Zeit seiner Freizeit damit, in Plattenläden altes Vinyl nach Perlen zu durchforsten oder sich jeden einzelnen Track anzuhören, den er zugeschickt bekommt.

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