laut.de-Kritik

Abgeschmacktes von der Thronfolgerin der Amigos-Dynastie.

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Wer ist schon OG Keemo? Wenn die Tochter respektive Nichte der Schlager-Könige Amigos ein Album veröffentlicht, strecken selbst Kritiker-Lieblinge die Waffen. Nach "Du Warst Jede Träne Wert", "Liebes-Tattoo" und "Splitter Aus Glück" trabte Daniela Alfinito auch mit "Löwenmut" locker als Erstplatzierte über die Ziellinie im Chart-Rennen. Legerer geht nur das Produktionsteam ans Werk. Erneut gilt es, einen im Schnellverfahren hingeschunkelten Popschlager zu ertragen, neben dem Marco Buschmann wie eine vor Ideen sprühende Legende der elektronischen Musik wirkt.

"Mit uns das ist die große Liebe, habe ich gedacht. Bis du aus heiterem Himmel sagst, dass du 'ne andere hast." Mit den ersten Zeilen von "Ich Bin Wieder Ich" gibt Daniela Alfinito das Thema des Albums vor. Ihre Rolle ist die der Verlassenen, die statt Trübsal zu blasen, sich selbst mit zupackendem Pragmatismus empowert. "Verdammt, dich soll der Teufel holen. Du hast mir meine Zeit gestohlen. Doch jetzt schau' ich nach vorn und nicht zurück", ruft sie dem Göttergatten hinterher, womit sie ihrer anvisierten Zielgruppe ein enormes Identifikationsangebot unterbreitet.

Lied um Lied wirft sie ihrem toxischen Ex-Mann Lug und Betrug vor. "Du hast mein Ego immer klein gemacht und deines draufgesetzt. Ich hab' mir leider nichts dabei gedacht - bis heute Nacht. Was wird denn jetzt?" Ja, was wird nun? Es wäre etwa denkbar, in den Revenge-Modus von "Kill Bill" zu verfallen. Doch statt die Machete zu zücken und ihn "Auf Feuerflügeln Durch Die Hölle" zu schicken, versteckt sie die "Knackser in der Seele" lieber verschämt und trällert in „Löwenmut“ zu einem grausigen Instrumental, dessen Erstellung kaum länger als fünf Minuten gedauert haben dürfte.

"Unverwüstlich" ringt sie um Souveränität: "Ich starte nochmal richtig durch. Die Leidenschaft pulsiert", setzt sie bereits früh zu ungeahnter Direktheit an, die schließlich in "Liebe Macht Blind" gipfelt, das für Schlager-Verhältnisse geradezu anstößig klingt: "Ich wollt' nie mit dir schlafen. Doch es steht nicht unter Strafe, dass man mal schwach werden kann." Selbst wenn sich Daniela Alfinito in "Jetzt Weiß Ich Was Liebe Ist" ihren Gelüsten "Haut auf Haut" hingibt, bleibt sie musikalisch auf unangenehmste Weise im wummernden Kindergarten hängen.

"Da hab' ich einmal diesen Löwenmut und hab' ihn einfach verspielt." Der Wille zur Wahrhaftigkeit liegt ihren Texten zugrunde, nur schert sich die Produktion einen feuchten Kehricht darum. "Löwenmut" bietet schlimmeren musikalischen Plastikmüll auf als Maite Kellys "Hello!". Ausnahmslos jeder Song klingt derart geschmacklos und künstlich, dass es die Sängerin regelrecht unaufrichtig wirken lässt. Und auch sie selbst steuert einen Teil dazu bei, wenn sie mit unbekümmerter Freude davon singt, die "Hölle" zu durchschreiten oder sich ihrem "Untergang" zu nähern.

"Mit diesem Album kann man mich kennenlernen. Diese Songs sind für alle Frauen und auch Männer, die in ihrem Leben schon so viel durchgemacht haben und gerade deshalb selbstbewusst sagen können: Ich hab' Löwenmut, ich gehe da durch!", charakterisierte Daniela Alfinito vorab ihr zehntes Soloalbum. Im Gegensatz zu den im direkten wie auch musikalischen Sinne verwandten Amigos lässt sich ihre schon gereiftere Zielgruppe leicht ausmalen. Doch die Thronfolgerin der Schlager-Dynastie verkauft dieser Personengruppe ihren hehren Ansatz in der denkbar abgeschmacktesten Form.

Trackliste

  1. 1. Ich Bin Wieder Ich
  2. 2. Liebe Ohne Risiko
  3. 3. Tausendmal Das Letzte Mal
  4. 4. Löwenmut
  5. 5. Unverwüstlich
  6. 6. Auf Feuerflügeln Durch Die Hölle
  7. 7. Mein Herz Fällt Immer Auf Dich Rein
  8. 8. Liebe Macht Blind
  9. 9. Bye, Bye - Bis Zum Nächsten Leben
  10. 10. Ich Schmeiß Mein Herz Weg
  11. 11. Sei Einfach Immer Du
  12. 12. Wie Weit Wolln Wir Gehen
  13. 13. Jetzt Weiß Ich Was Liebe Ist
  14. 14. Ein Goldenes Armband
  15. 15. Hitmix 2022

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