Porträt

laut.de-Biographie

YIN YIN

Wenn man in einer Stadt wohnt, die für Verträge und Spargel, nicht jedoch für ein florierendes Nachtleben berühmt ist, bleiben kulturell interessierten Nachteulen drei Optionen: verzweifeln, wegziehen oder selbst etwas auf die Beine stellen. Yves Lennertz und Kees Berkers wählen die dritte Möglichkeit - mit Folgen.

YIN YIN - The Age Of Aquarius Aktuelles Album
YIN YIN The Age Of Aquarius
Die verlorenen Söhne von Supermax und Captain Future.

Beide Männer wollen sich mit dem übersichtlichen Angebot, das ihnen ihre niederländische Heimatstadt Maastricht bietet, nicht abfinden und gehen selbst unter die Partyveranstalter. Da sie obendrein als DJs aktiv und stets auf der Suche nach neuen Tanzbarkeiten sind: Klar, dass die ohnehin umfangreichen Plattensammlungen darüber nicht gerade schrumpfen.

In der gemeinsamen Vorliebe für südostasiatische Sounds keimt eine weitere Idee: Lennertz und Berkers beschließen, selbst Musik zu machen, ein Tape aufzunehmen und dabei thailändische und ähnliche Klänge einfließen zu lassen. Sie schleppen einen Haufen (teils recht abstruser) Instrumente in ihren Proberaum und legen los. Nach drei Tagen stehen die ersten Songs.

Bei denen bleibt es genauso wenig wie bei der Besetzung als Duo: Bald verstärken Bassist Remy Scheren und Keyboarder Robbert Verwijlen das Line-Up der Band, die sich fortan YIN YIN nennt. Lennertz spielt Gitarre. Drums, Percussions und Synthesizer bilden Berkers' Spielwiese. Live helfen zudem die befreundeten Percussionisten Jerome Cardynaals und Gino Bombrini aus.

... was sich als bitter nötig erweist: Live-Dates haben YIN YIN bald reichlich. Der tanzbare Mix aus 70er-Jahre-Funk, Italo-Disco, traditioneller asiatischer Musik, Electro-Boogie und Psychedelia - YIN YIN selbst bezeichnen das Konglomerat als "Thaichedelia" - kommt bestens an.

Mit ihrem 2019 veröffentlichten Debüt-Album "The Rabbit That Hunts Tigers" spielt die Band Liveshows und Festival-Gigs, supportet dabei unter anderen Altin Gün - bis ihnen Anfang 2020 die Corona-Pandemie einen fetten Strich durch alle Zukunftspläne macht. "Anfangs war das sogar noch ganz gut", erinnert sich Scheren in einem Interview mit thelineofbestfit.com. "Wir konnten unseren geschundenen Leibern eine Pause gönnen und all die Hobbys reaktivieren, für die wir vor lauter Auftritten keine Zeit gehabt hatten."

Irgendwann bricht sich die Kreativität aber doch wieder Bahn, und die Band nimmt ein neues Album in Angriff, Arbeitstitel: "YIN YIN In Space". Letzterer kommt nicht von ungefähr: Die Bedingungen, unter denen der Zweitling entsteht, hinterlassen ihre Spuren im Sound. In den diversen Lockdown-Phasen entdecken die Mitglieder ihr Faible für elektronische Gerätschaften neu. Drumcomputer, Synthies und Sampler halten verstärkt Einzug bei YIN YIN.

Zumindest gedanklich entfleucht die Band der Pandemie - in den Weltraum: "Wir haben uns vorgestellt, ein Alien reist durchs All und erkundet verschiedene Planeten und Galaxien. Das Album liefert den Soundtrack zu diesem Trip." So klingt es auch, trotzdem bleiben die asiatischen Vibes erhalten. Sampleten YIN YIN auf ihrem Erstling noch Bruce Lee, lassen sie diesmal eine thailändische Dame zu Wort kommen, die sie in einem Sprachlern-Tutorial bei YouTube entdeckt haben, oder ein Sprecher erklärt die Bedeutung des Zeitalters des Wassermanns. So heißt das Album, das im Frühjahr 2022 folgt, letzten Endes auch: "The Age Of Aquarius".

Abgesehen von dem einen oder anderen Sprachsample verzichten YIN YIN übrigens komplett auf Vocals. Den Gesang lässt der energetische, dynamisch groovende Electro-Boogie mit Fernost-Einschlag und Orient-Aroma, den sie zelebrieren, jedoch an keiner Stelle vermissen. Bereit für den Trip? Dann Tanzschuhe eingepackt, und Abfahrt.

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