13. Oktober 2014

"Gesundheitlich war ich brutalst am Arsch"

Interview geführt von

Wie Vega soeben bekannt gab, wird sein Soloalbum den Namen "Kaos" tragen und am 16. Januar erscheinen. Wir trafen das Freunde von Niemand-Oberhaupt beim Prelistening in Frankfurt, um über seine neue Platte und die letzten beiden Jahre zu sprechen.

Heute teilte Vega per Facebook Titel und Releasedate seines neuen Soloalbums mit: "Kaos" erscheint am 16. Januar. Als Featuregäste präsentiert der Rapper seine Frankfurter Kollegen Moses Pelham und Glashaus-Sängerin Peppa sowie seine Lebensgefährtin Nea. Vor wenigen Wochen rief Vega seine Fans dazu auf, ihm Selfies zukommen zu lassen, auf denen sie mit ihrem Finger eine Eins zeigen. Was es mit der Aktion auf sich hat, wie "Kaos" klingt und was die letzten beiden Jahre bei den Freunden von Niemand passiert ist, verriet er uns im Interview.

Seit "Nero" sind zwei Jahre vergangen. Was war dein persönlicher Höhepunkt in dieser Zeit?

(Überlegt) Wenn man von heutigen Abend absieht, war das tatsächlich die "Willkommen im Niemandsland 2"-Tour. Nach dem ganzen Hickhack mit der Trennung vom alten Management, alter Freundin, einem Auszug und Sich-Neu-Sortieren war es nach langer Zeit das erste Mal, dass ich wieder mit den Jungs unterwegs war. Mein Team war wieder so, wie ich es haben wollte, und wir hatten eine echt gute Zeit.

Wie zufrieden wart ihr im Nachhinein mit dem Sampler?

Sehr zufrieden! Im Vergleich zum ersten haben wir uns gut gesteigert und auch erheblich mehr Platten verkauft. Dann sind wir auf Platz zwei der Samplercharts eingestiegen, obwohl wir diesen kommerziellen Faktor kaum im Sinn hatten. Es ging einfach um den Fun-Faktor, dass man zusammen im Studio abhängt und 'ne gute Zeit hat, ein paar Bier trinkt und sich über alles kaputt lacht, was man die letzten beiden Jahre falsch gemacht hat.

Wie sieht es mittlerweile mit der finanziellen Situation aus?

Miserabel (grinst). Wir sind dabei, uns wieder zu fangen. Gerade taumeln wir noch ein bisschen und brauchen auf jeden Fall noch ein paar Monate, bis wir wieder richtig an den Start kommen.

Liquit Walker hat sich Anfang letzten Jahres im Guten von euch getrennt. Was kannst du sonst über personelle Veränderungen sagen?

Hinter der Bühne gabs natürlich Umstrukturierungen, aber Künstler-technisch sind es die alten Bekannten. Das bleibt auch so, bis einer auftaucht, der mir so gut gefällt, dass ich ihn mit ins Boot holen würde. Da gibt es aktuell sicher ein, zwei Interessante, aber das ist nichts Konkretes.

Du hast 35 Kilo abgenommen. Was hat den Stein ins Rollen gebracht und wie bist du das angegangen?

Ich musste schlicht und ergreifend was an meinem gesundheitlichen Zustand ändern, weil ich brutalst am Arsch war. Mein Lebensstil hat Maße angenommen, die einfach nicht mehr cool waren. Das betraf nicht nur die Ernährung, sondern auch Sport und Alkohol, sodass ich gesagt habe: "Hier muss ich einen Cut machen." Das hat natürlich perfekt zu diesem Businesswandel gepasst, es kam alles zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe angefangen, unglaublich viel Sport zu machen und meine komplette Ernährung umzustellen. Ich esse kein Fleisch mehr und ernähre mich größtenteils vegan.

Aber du hattest keine professionelle Hilfe?

Ich habe einen sehr guten Freund, der glücklicherweise Fitness-Coach ist. Er leitet ein Fitnessstudio bei uns in der Gegend, und ich hatte die Möglichkeit, jeden Tag mit ihm zu trainieren. Also schon professionelle Hilfe, aber eher auf der Homie-Basis. Ich hab' nicht die Bosstransformation von Kollegah gemacht, falls du das meinst (grinst).

"Natürlich schielen wir auf die Eins"

"Kaos" erscheint im Januar, du hast dir also etwas mehr Zeit gelassen als damals mit "Nero". Woran lags?

Ich wusste einfach, dass ich mehr als zwölf Monate brauchen werde, um das Album zu einhundert Prozent so zu machen, wie ich es haben möchte. Im Nachhinein war ich ein kleines bisschen unglücklich mit dem letzten Album. Deswegen habe ich mir vorgenommen, dass ich nicht noch einmal aufgrund von Zeitmangel die Qualität vernachlässige.

Was kannst du uns schon über den Klang von "Kaos" verraten?

Es klingt ganz anders, nicht mehr so schwer. Nicht so düster und verbittert, sondern mehr wie mein erstes Album ["Lieber Bleib Ich Broke", Anm. d. Red.] Okay, das ist auch falsch gesagt. Aber die Stimmung ist eine ähnliche: Jetzt dominiert wieder stärker diese Aufbruchs-Stimmung, weil ich mich ein bisschen wie neu geboren gefühlt habe. "Kaos" ist einfach wesentlich vielfältiger und auf eine gewisse Art und Weise auch fröhlicher. Zwar immer noch aggressiv, aber mit einem Augenzwinkern.

Wer hat sich die Aktion mit den Selfies ausgedacht?

Das war meine Idee. Ich wollte noch einmal zeigen, wie wichtig unsere Supporter sind. Deshalb hätte ich in meinem Artwork gerne ein Mosaik-Foto, auf dem meinetwegen mein Gesicht aus hundert oder tausend Bildern meiner Fans dargestellt wird. So dieser "Ich bin ihr, ihr seid ich"-Style.

Und die gezeigte Eins spielt auf die geplante Chart-Platzierung an?

Nach der Zwei kommt die Eins, wie KC Rebell so schön sagt. Hoffen wirs! Wenn Helene Fischer nicht gerade wieder ihren 25. Geburtstag auf CD feiert, dann besteht auf jeden Fall die Möglichkeit. Wobei das jetzt auch nicht so wichtig ist. Am Ende des Tages verkaufen wir die gleiche Anzahl an CDs, ob wir auf der Fünf oder der Eins charten. Ich denke schon, dass wir auf jeden Fall in der Top Ten landen. Natürlich schielen wir auf die Eins, aber es sollte keiner enttäuscht sein, wenn es nicht so ist.

"Die Aktion der Bild-Zeitung war lächerlich"

Ich habe in Facebook gesehen, dass du in Bosnien und Mexiko warst. Musstest du dich mal entspannen oder waren die Reisen mit Arbeit verbunden?

Ich hab' in der Zeit natürlich am Album gearbeitet, aber ich bin nicht extra deswegen dorthin gefahren. Mexiko war im Grunde reiner Urlaub. In Bosnien wohnt die Family meiner Freundin und Bekannte haben dort geheiratet.

Anfang 2013 gabs einen Bengalo-Vorfall im Leverkusener Stadion, an dem Eintracht-Fans beteiligt waren. Die Bild-Zeitung hat das dann mit dem Charterfolg von "Nero" in Verbindung gebracht. Sowas kotzt einen doch nur an, oder?

Was heißt ankotzen ... Jeder von uns und aus der Szene weiß natürlich, dass das kompletter Schwachsinn ist. Kein Mensch im Stadion würde eine Fackel anmachen, nur weil bald mein neues Album erscheint. Wir empfanden das als Mischung aus amüsant und verwirrend. Auf jeden Fall eher lächerlich, aber natürlich haben wir uns ein bisschen künstlich darüber aufgeregt (lacht).

Wie macht sich Thomas Schaaf deiner Meinung nach bis jetzt?

Ich sehe natürlich nur, was die Mannschaft macht, und damit kann man sehr zufrieden sein. Wobei ich das letztes Jahr auch war, deshalb weiß ich nicht, ob das allein sein Verdienst ist. Generell denke ich, dass er ein guter Mann ist, der sehr lange in Bremen war. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen, wenn jemand trotz Auf und Ab lange bei einer Sache bleibt.

Könntest du dir vorstellen, jemals woanders zu leben als in Frankfurt?

Definitiv ja! Also nicht in einer anderen deutschen Stadt, das nicht. Aber auf dem Land oder irgendwo im Ausland schon. Kommt drauf an, wie gut mein Album läuft (lacht). Nee, Spaß: Wenn ich irgendwann alt und reich bin, oder von mir aus auch nur reich, werde ich mir irgendwo anders ein Haus bauen.

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