laut.de-Kritik

Songs zum Blumenpflücken und Händchen halten.

Review von

Diese Berliner Jungs sind ziemlich geschickt. Ziemlich geschickt darin, sich ganz, ganz langsam an das große Business heran zu tasten – die Band existiert bereits seit 1999 -, und ziemlich geschickt darin, ein Album aufzunehmen, das einen vielleicht nicht wirklich vom Hocker haut, aber dann doch nicht aus dem Player kommt.

Warum? Eine gute Frage, die ich mir auch schon seit einer Weile stelle. Virginia Jetzt sind keine Helden. Keine Band, nach deren Sound sich die Welt in zehn Jahren richten wird. Aber sie sind definitiv eine Band, die den Zeitpunkt treffen kann. Den Moment, an dem es bzw. alles einfach nur okay ist.

"Wir haben keine Sorgen, wir haben nicht mal ein Problem" singen sie in der ersten gut nach vorne gehenden Single "Von Guten Eltern". Und das ist wahrscheinlich genau das, worum es geht. Ich weiß, dass es Platten gibt, auf denen man mehr entdecken kann, die einem mehr mitteilen und mehr fordern - höre aber trotzdem dieses Debüt. Denn es passt einfach für den Moment, in dem es läuft. Papi zahlt die Miete, Mami das Benzin – Musik von Mittelstands-Kids für Mittelstands-Kids.

Hier bin ich, hier rock' ich und hau' mir eine Pop-Perle nach der anderen um die Ohren. Virginia Jetzt sind nicht lustig, aber auch nicht leidig heulerisch. Weder hektisch überdreht, noch langweilig. Ganz im Gegenteil. Songwriter Thomas Dörschel weiß, wie man an einen Track rangehen muss: Durchhänger gibt's nicht. Obwohl die Songs untereinander recht unterschiedlich sind, klingt alles wie aus einem Guss.

Aus Berlin kommt jetzt der Soundtrack für die Leute, die früher mit Tocotronic am höchsten Grad der Verzweiflung angekommen waren und dann irgendwann gemerkt haben, dass man vielleicht doch nicht alles von vornherein schwarz sehen muss. Klar ist das Mädchen-Musik in seiner Bestimmung. Leichte Gitarren-Musik, die keinem weh tun will. Virginia Jetzt schippern auf einer Art Hippie-Dampfer.

Das Musikfernsehen-erprobte "Mein Sein" oder der etwas knackigere Hit "Das Beste Für Alle" (mit Mieze von Mia als Gastsängerin) sind Songs zum Blumenpflücken und Händchen-Halten. Und das ist gar nicht schlimm, denn man nimmt es diesen charmanten Typen sogar ab, dass sie ihren Girls wirklich jedes Mal eine Blume mitbringen. Und das nicht nur, weil die Mädels drauf stehen, sondern weil sie das auch selbst ziemlich geil finden. Unter diesem Hintergrund lässt sich selbst die zuweilen etwas kitschige Piano-Begleitung aushalten. Es ist wohl gerade das verdammt Gute an dieser ... wirklich deutschen Platte.

Trackliste

  1. 1. Das Beste für alle
  2. 2. Fast wie Giganten
  3. 3. Dreifach schön
  4. 4. Angekommen
  5. 5. Halt die Zeit an
  6. 6. Die Musik von hier nach dort
  7. 7. Mein sein
  8. 8. Weiterziehen
  9. 9. Selbstbehauptung und Grenzen

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